Working Holiday: Weniger Büro, mehr Sternenhimmel & Kängurus

Working Holiday: Pack your courage, leave the rest behind

Wie Lissy sieben Monate Working Holiday in Australien verbracht hat – und warum sie es jederzeit wieder tun würde

Lissy ist 25 Jahre alt, lebt in Berlin und ist vor Kurzem von sieben Monaten Working Holiday in Australien zurückgekehrt. Sie hatte eine Chance, die Auszeit zwischen zwei Jobs zu nutzen – und eine Bucket List, auf der “Australien” schon lange ganz oben stand.

Von März bis Oktober 2025 hat sie auf einem Trail-Riding-Betrieb in New South Wales gearbeitet: Pferde für Gäste vorbereiten, Gruppen das Mittagessen auf die Tour bringen, das Leben in vollen Zügen genießen – und das sah ganz anders aus als ihr früherer Bürojob in Amsterdam. Dazwischen hat sie Australien, Neuseeland und Bali bereist und ist mit einem klaren Kopf, neuen Freunden und einer tiefen Wertschätzung für eine wohlverdiente Nacht Schlaf nach Hause gekommen.

Wir haben sie gebeten, uns zu erzählen, wie das Working Holiday wirklich aussieht – nicht die Instagram-Version, sondern die echte.

Die Entscheidung: Jetzt oder nie

Lissy hat das Working Holiday nicht jahrelang im Voraus geplant. Der Zeitpunkt hat einfach gepasst. „Ich wollte sowieso meinen Job kündigen, und ich wusste, dass ich in eine andere Stadt ziehen und mir eine neue Wohnung suchen müsste“, erzählt sie. „Ich hätte das alles sofort angehen können – oder ein paar Monate Pause einlegen und endlich nach Australien fahren.”

Die Logik war einfach, aber überzeugend: Wer Australien nur für zwei Wochen besucht, verliert allein durch Jetlag und Reisezeit gut vier Urlaubstage. Für ein so weit entferntes Reiseziel macht es einfach mehr Sinn, länger zu bleiben – und das Land wirklich kennenzulernen.

Australien, Neuseeland und die ganze Region standen schon lange auf ihrer Bucket List. Das Working-Holiday-Visum hat aus einem vagen Wunsch einen echten Plan gemacht.

Vor der Abreise: Der Papierkram, der wirklich zählt

#1 Das Visum – einfacher als gedacht (zumindest als Deutsche/r)

Das australische Working-Holiday-Visum ist als Drei-Jahres-Programm aufgebaut, aber viele – wie Lissy – nutzen nur das erste Jahr. Für deutsche Staatsbürger ist es bemerkenswert unkompliziert: Der Antrag läuft komplett online über das Portal der australischen Regierung, und die Genehmigung erfolgt weitgehend automatisch oder zumindest sehr schnell. Voraussetzungen sind ein gültiger Reisepass, ein finanzieller Nachweis (ca. 5.000 AUD bzw. 3.000 Euro – ein Kontoauszug reicht in der Regel), keine mitreisenden Kinder und ein Alter zwischen 18 und 30 Jahren. Die aktuellen Gebühren betragen 670 AUD.

Wichtig zu wissen: Nicht alle europäischen Länder haben dasselbe Abkommen mit Australien. Österreicher zum Beispiel beantragen einen anderen Visatyp, der manuell geprüft wird und einen Sprachnachweis erfordert – ein Prozess, der deutlich länger dauert. Wer feste Reisetermine hat, sollte unbedingt vorab prüfen, welches Abkommen für die eigene Staatsangehörigkeit gilt.

Wer über ein zweites oder drittes Jahr nachdenkt: Dafür ist sogenannte Regional Work Voraussetzung, also zum Beispiel Ernte-Arbeit in der Landwirtschaft. Lissy hat diesen Weg nicht gewählt, aber wer das plant, sollte es schon bei der Jobsuche im Hinterkopf haben.

#2 Bankkonto

Lissy hat online etwa 14 Tage vor dem Abflug ein Konto bei der Commonwealth Bank eröffnet – beim Antrag kann man bereits eine Wunschfiliale auswählen, sie hat einfach eine in der Nähe ihres ersten Hostels in Sydney gewählt. Nach der Ankunft ist sie mit ihrem Reisepass hingegangen, hat das Konto in wenigen Minuten aktiviert und hatte noch am selben Tag eine Debitkarte.

#3 Tax File Number (TFN)

Die Tax File Number (TFN) – Australiens Äquivalent zur Steuer-ID – kann erst nach der Einreise beantragt werden. Der Online-Antrag dauert nur wenige Minuten, und die Bestätigung kommt etwa ein bis zwei Wochen später per Post. Lissy hatte zu dem Zeitpunkt bereits ihre Arbeit auf der Farm aufgenommen und ließ sich den Brief einfach dorthin schicken. Ohne TFN ist eine offizielle Beschäftigung nicht möglich – also direkt nach der Ankunft beantragen. Außerdem gilt: Bei einem Arbeitgeber darf man maximal sechs Monate arbeiten, ohne eine behördliche Genehmigung zu benötigen.

#4 Handy & Mobile Daten

Lissy hat eine eSIM von Telsim verwendet. Der Vorteil gegenüber einer physischen SIM-Karte: Man kann sie vor der Abreise kaufen und direkt nach der Landung aktivieren – sofort mobiles Internet und eine echte australische Telefonnummer, die man für verschiedene administrative Dinge braucht. Ihre deutsche SIM hat sie parallel laufen lassen, damit sie unter ihrer gewohnten Nummer erreichbar blieb. Wer länger als ein paar Monate bleibt, sollte aber überlegen, den europäischen Vertrag zu pausieren oder zu kündigen – das spart eine Menge Geld.

#5 Krankenversicherung

Lissy war bei HanseMerkur versichert, die spezielle Reisepakete für längere Auslandsaufenthalte anbieten. Sie hat ein Jahrespaket gebucht, das genau auf ihren Aufenthaltszeitraum zugeschnitten war – inklusive Haftpflichtversicherung für das Reiten fremder Pferde und das Fahren fremder Autos, was beides auf der Farm relevant war. Das Wichtigste: Die Versicherung sollte unbedingt einen medizinischen Rücktransport nach Deutschland abdecken. Das hofft man nie zu brauchen – aber man sollte es haben.

#6 Internationaler Führerschein

Der deutsche Führerschein allein reicht in Australien nicht aus. Den internationalen Führerschein bekommt man direkt vor Ort beim Straßenverkehrsamt für rund 20 Euro – aber man braucht einen Termin, und der ist nicht immer kurzfristig verfügbar. Frühzeitig buchen.

Ein finanzielles Detail, das viele überrascht

Als Working-Holiday-Reisender zahlt man in Australiens verpflichtenden Rentenfonds ein – die sogenannte Superannuation – auch wenn man nur ein paar Monate im Land ist. Die gute Nachricht: Sobald das Visum abgelaufen und man ausgereist ist, kann man das eingezahlte Geld zurückfordern. Einfach beim Berechnen des eigenen Gehalts im Hinterkopf behalten.

Der Job: Pferde, Gäste und ein Leben, das sie so nie gefunden hätte

Lissys Jobsuche war etwas anders als die Erfahrung Backpacker – und sie hat ihn auf die altmodische Art gefunden. Da sie wusste, dass sie mit Pferden arbeiten wollte, hat sie einfach „Trail Ride Business Australia“ gegoogelt, sich durch die Websites gearbeitet und noch vor dem Buchung ihres Fluges Kontakt aufgenommen.

Der Trail-Riding-Betrieb nahe Port Macquarie nimmt nur zwei Helfer oder Helferinnen pro Jahr auf und setzt viel Reiterfahrung voraus. Ihr Alltag: morgens die Pferde für die Gäste vorbereiten, das Mittagessen auf die Tour bringen, Gruppen am Treffpunkt mit dem Anhänger abholen. Die Arbeit war körperlich fordernd und gleichzeitig tief erfüllend – und sie brachte sie in eine kleine ländliche Gemeinschaft, die sie als Touristin nie kennengelernt hätte. Zwischen den Gruppen hatte sie Zeit, die australischen Strände zu Pferd zu erkunden und lokale Veranstaltungen zu besuchen. Ihr persönliches Highlight: sich um die älteren Pferde auf der Farm zu kümmern, die nicht mehr auf die Trails kommen. Sie lacht: „Es gab Momente, in denen ich das Gefühl hatte, es gibt nur mich und die Pferde-Opas zum Schmusen, nicht anderes zählt. Einen extremeren Kontrast zum Office-Job hätte es nicht geben können.” 

Sie hat drei Monate gearbeitet, ist dann zwei Monate gereist, während der Betrieb Winterpause hatte, und ist danach noch einmal für zwei weitere Monate zurückgekehrt, als die neue Saison startete. Das Verhältnis zu ihrer Chefin war so gut, dass die Rückkehr absolut naheliegend war – die Farm wurde wirklich zu ihrem zweiten Zuhause. „Ich hatte Nachbarn“, sagt sie schlicht. „Ich habe einen Teil Australiens gesehen, den die meisten Besucher nie zu Gesicht bekommen.“

Nicht jeder Working-Holiday-Job sieht so aus, und das weiß Lissy. Sie hat Geschichten gehört von schlechten Bedingungen, vor allem bei der Ernte. Ihr Rat: Vorab gründlich recherchieren, auf offizielle Arbeitsverträge bestehen – ja, auch wenn das bedeutet, Steuern und Superannuation zu zahlen – und sich einen finanziellen Puffer aufbauen, damit man nie gezwungen ist, das erste Angebot anzunehmen. Backpacker-Jobportale und Facebook-Gruppen können nützlich sein. Aber die wirklich guten Jobs erfordern oft einen direkten Ansatz – und ein bisschen Geduld.

Die Reisen: Vom Outback bis ans Ende der Welt

Zwei Monate Backpacking zwischen den Farmaufenthalten. Eine Mischung aus geführten Gruppentouren, Solo-Städtetrips und Tagesausflügen über GetYourGuide. Lissy hat gut Strecke gemacht und weiß: Australiens Entfernungen sollte man nicht unterschätzen.

Das Outback – der Moment, der bleibt

Lissys erster Reise-Abschnitt führte sie mit Mulgas Adventures auf ihre „Rock to Rock“-Tour: Uluru und die umliegende Landschaft, draußen Schlafen mit Schlafsack und Swag, Lagerfeuer, Sterne und ein Führer mit tiefem Wissen über die spirituelle Bedeutung der Orte, die sie durchquerten. Eine Nacht nach dem Abendessen kam sie zum Feuer zurück und schaute nach oben. „Der Himmel im Outback ist wie nichts, was ich je gesehen habe“, sagt sie. „Es war einfach atemberaubend.“ Sie bezeichnet es als eines der stärksten Erlebnisse der gesamten Reise.

Tasmanien – wild und unterschätzt

Mit Under Down Under auf der „Famous Five“-Tour hat Lissy eine Insel entdeckt, die viele Australien-Reisende noch immer übersehen. Die rauen Strände, die ursprüngliche Natur. Dort zu stehen und zu wissen, wie nah man dem Ende der Welt ist – das hat etwas zutiefst Berührendes. Sie empfiehlt es ohne jeden Vorbehalt.

Lissys weitere Stationen im Überblick

Cairns, Queensland: Von Cairns aus hat sie die Kuranda-Bahn durch den Regenwald genommen. Der Tagesausflug zum Great Barrier Reef zur Green Island ist schön – wer Zeit hat, sollte aber über eine mehrtägige Bootstour weiter draußen nachdenken. Das ist wahrscheinlich das beeindruckendere Erlebnis.

Perth, Western Australia: In Perth hat sie die Pinnacle-Wüste und Fremantle erkundet – und im Fremantle Prison geschlafen, das heute teilweise als YHA-Hostel betrieben wird („irgendwie seltsam, aber auf gute Art“, besonders als sie die Original Gefängniszellen nebenan besichtigt hat).

Neuseeland: Sie ist nach Queenstown geflogen, hat einen nach Fahrstunden berechneten Bus-Pass gekauft und ist drei Wochen lang bis nach Auckland im Norden gehoppt, von wo sie zurück nach Sydney geflogen ist. Das Whale-Watching in Kaikōura auf der Südinsel war eines der schönsten Erlebnisse der ganzen Reise.

Sydney, New South Wales: Der Sydney Harbour Bridge Climb sieht zunächst wie eine Touristenfalle aus – lohnt sich aber absolut. Bondi Beach: schön, aber nicht der „Oh Wow“-Moment, den man vom Hype erwartet.

Brisbane & Gold Coast: Das Lone Pine Koala Sanctuary war ein wirklich unvergessliches Erlebnis. Und ein paar Tage Surfstunden an der Gold Coast mit der Get Wet Surfschool waren genau die Herausforderung, die sie gebraucht hat.

Bali, Indonesien: In Bali hat sie sich einer Intro Travel Gruppenreise angeschlossen, die Logistik, Aktivitäten – und praktischerweise auch eine sofortige Reisegruppe – mitgeliefert hat.

Südaustralien und Victoria waren nur kurze Stopps – da würde sie beim nächsten Mal länger bleiben. In Melbourne hatte sie eine Freundin, was dem Besuch das Gefühl einer echten Visite gegeben hat. Und was den Rest betrifft: „Ich habe das Gefühl, alles gesehen zu haben, was ich als Touristin sehen wollte. Aber ich würde zurückgehen – um die Freunde zu besuchen, die ich dort gefunden habe.“

Ein Wort zu Unterkunft & Transport

Unterkunft: meistens Hostels – aber mit Bedacht gewählt. Mit etwas Recherche findet man Häuser mit kleineren Zimmern, Vorhängen an den Betten und eigenem Badezimmer. Lissy hat, wo immer möglich, Frauenzimmer gebucht. Bei geführten Touren war die Unterkunft inklusive: Camping unter dem Sternenhimmel im Outback, Hostelzimmer in Tasmanien, Hotelzimmer in Bali.

Für lange Strecken in Australien hat sie auf Inlandsfluüge gesetzt – die pragmatischste Option für eine Frau, die solo unterwegs war. Roadtrips können eine tolle Möglichkeit sein, Australien zu entdecken! Aber wer plant, ins Outback oder durch die Wüste zu fahren, sollte sich gründlich über Bedingungen, Temperaturen und Infrastruktur informieren.

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Das Eine, das dir über das Working-Holiday-Budget niemand verrät

Der hartnäckigste Mythos über das Working Holiday – und der, der die meisten Menschen enttäuscht – ist, dass man das gesamte Abenteuer mit dem Geld finanzieren kann, das man vor Ort verdient. Einen Großteil davon schon. Lissys Reisemonate wurden größtenteils von ihrem Farmgehalt bezahlt. Aber die Startkosten sind real.

Visum, Flüge, die ersten Wochen bis man einen Job gefunden hat – all das muss bezahlt sein, bevor man den ersten australischen Dollar verdient. Außerdem muss man bei der Einreise finanzielle Mittel nachweisen (ca. 5.000 AUD), und man sollte genug Puffer haben, um nicht aus Verzweiflung einen schlechten Job anzunehmen oder in einer Notlage weit von zu Hause ohne Optionen dazustehen. Lissys Empfehlung: Die 5.000 AUD – rund 3.000 Euro – als Mindest-Startkapital betrachten, nicht nur als Häkchen für den Visumantrag.

Die Rückkehr

Lissy ist im Oktober 2025 nach Deutschland zurückgekehrt und hat sich auf die Suche nach einem neuen Job und einer neuen Wohnung gemacht – genau das, was sie ein halbes Jahr früher hätte tun müssen, wäre sie nicht gegangen. Der Unterschied: Sie kam mit dem Wissen zurück, was sie will.

„Es hat mir wirklich geholfen, wieder motiviert zu sein“, sagt sie. „Ich bin zurückgekommen und war bereit, ein neues Kapitel aufzuschlagen. Manchmal braucht man genau diesen Schritt, um zu wissen, was man sucht.”

Sieben Monate körperliche Arbeit, weite Horizonte und echte Verbindungen zu Menschen und Orten, die sie auf keinem anderen Weg gefunden hätte. Das ist eine bemerkenswerte Rendite für ein Ticket nach Sydney.

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Alle Empfehlungen in diesem Artikel basieren auf Lissys persönlichen Erfahrungen während ihrer Reise im Jahr 2025. Sie wurden nicht auf Basis einer umfassenden Recherche oder eines Vergleichs verschiedener Touren oder Aktivitäten ausgewählt.

Lissy hat diesen Artikel vor Veröffentlichung gelesen und freigegeben. Vielen Dank – und immer gute Reise, wohin auch immer es geht.

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